Texte und Vorträge

Vortrag zum Thema Rodung des Dannenröder Wald. Vorgetragen auf der Fridays for Future Demo 23.10.2020 am Domplatz:

Danni Bleibt 2020

Liebe Genossinnen und Genossen,

1. Allgemeine Einleitung

wir freuen uns heute auch mal als Distel einen Gastbeitrag bei Fridays for Future in Paderborn halten zu dürfen.

Die Rodung des Dannenröder Waldes und der nahegelegenen Wälder zur Weiterführung der A49 hat seit längerem begonnen.

Wie ihr sicherlich mitbekommen habt, kämpfen Umwelt, Klima und Naturschutzaktivist:innen täglich um jeden einzelnen Baum. Bereits jetzt sind schon die Schäden im Dannröder Forst durch kleinere Schneisen deutlich zu erkennen. Dabei wurden auch bereits mehrere 300 Jahre alte Bäume, die Lebensraum für eine große Zahl unterschiedlicher Lebewesen sind, gefällt.

2. Wichtigsten Fakten zu der Abholzung des Dannröder Waldes

2.1 Der Wald an sich

Die Schneise, die mitten durch den Wald führt, tötet nicht nur die Bäume die selber in der Schneise sind, sondern auch diese, die in einem Abstand von ca. 100m um die Schneise herum wachsen. Dadurch wird fast der komplette Wald zerstört. Die Schutzränder sterben und dadurch wird das Mikroklima des Waldes gestört und fast das gesamte Ökosystem stirbt.

2.2. Trinkwasser

Auch für die Dörfer und ganz Hessen entsteht ein riesiger Schaden. Unter dem Waldboden liegt ein riesiger Grundwasserbestand, welcher für die Versorgung von etwa 500.000 Menschen mit Trinkwasser verantwortlich ist. Dieses wird massiv gefährdet. Durch den Bau der geplanten Autobahnbrücke in der Nähe des Dannröder Forst werden Betonpfeiler über 20m tief in den Boden eingelassen. Hierbei handelt es sich um ein Wasserschutzgebiet der Klasse 2 und tlw. auch der Klasse 3. In einem solchen Wasserschutzgebiet darf eigentlich nicht mal ein Kuhstall gebaut werden. Dennoch wird dort jetzt eine Autobahn gebaut.

Die Pfeiler durchstoßen schützende Boden, der normalerweise Verunreinigungen filtert. So können Schadstoffe entlang der Pfeiler ins Grundwasser eindringen.

2.3 Ausgleichsmaßnahmen

Auch die vom Land Hessen angesetzten Ausgleichsmaßnahmen hierzu sind bei Weitem nicht ausreichend. Der Ausbau der Autobahn zerstört eine riesige Fläche des Waldes.

Wenige Nistkästen und einige unbedacht gepflanzte Bäume sollen die Maßnahme des Autobahnbaus ausgleichen.

3. Warum wird die Bahn durch den Wald gebaut, obwohl niemand etwas davon hat?

Warum wird die Bahn durch den Wald gebaut, obwohl niemand etwas davon hat? Dieser Wald und was mit ihm gemacht wird ist exemplarisch für ein globales Problem. Er trägt Symbolkraft, weil er etwas repräsentiert was in jedem Land dieser Erde falsch läuft. Profitgier und Gewinnmaximierung sind die Maxime. Und das auf Kosten der Menschen und der Umwelt. Der Großkonzern „Ferrero“ hat ganz in der unmittelbaren Nähe dieses Waldes einen Fabrik.

Es existiert ein Industriegleis am Ferrero-Werk, wird aber seit Jahren vernachlässigt. Der Transport wird an externe Speditionen geoutsourced, denn LKW sind bequemer und billiger. Warum? Seit Jahren werden staatliche Gelder in falsche Dinge gesteckt. Man müsste das Schienennetz mehr subventionieren anstatt immer mehr Autobahnen zu bauen.

Aus diesem Grund üben Ferrero und andere mit massiver Lobbyarbeit Druck auf die lokale Regierung und damit auch auf Anwohner aus.

Nun kann man natürlich Ferrero für ein solches Verhalten kritisieren und sollte dies auch, jedoch ist Ferrero nur ein Symptom einer fehlgeleiteten Gesellschaft und entfesseltem Kapitalismus.

Ferrero ist nur eine Firma die das macht was eine Firma innerhalb eines kapitalistischen Systems nun mal macht. Sie handelt im Sinne der Gewinnmaximierung. Nicht nur Ferrero selber ist zu verurteilen sondern vor allem die Machthabenden in unserem ganzen politischen und wirtschaftlichen System. Die Steigerung des Bruttoinlandsproduktes und das Wachsen der Wirtschaft ist für fast alle Berufspolitiker das höchste Gut. Der Gedanke das Wirtschaftswachstum etwas Notwendiges sei, also etwas was um jeden Preis gewährleistet werden muss, zieht sich durch alle Parteien. Wachstumszwang ist nicht nur aber auch ein klimapolitisches Problem.

4. Auf Regierung kein Verlass – Grüne und Umweltschutz?

Solange wir Leute in Regierungspositionen wählen, welche solchen Schwachsinn für richtig halten wie den Braunkohleabbau mit Steuergeldern zu subventionieren oder lieber Banken zu retten als Menschenleben an europäischen Grenzen, werden wir auch Klimapolitisch nicht viel retten können.

Denn viele dieser Leute wissen genau wie sie sich vor der Kamera geben müssen um wiedergewählt zu werden, ohne es sich mit ihren Freund:innen den Großkonzernen zu verscherzen. Das sieht man leider auch an der aktuellen hessischen Regierung. Herr Al-Wazir, der Hessische Staatsminister für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen, hätte zumindest versuchen können diese Bauvorhaben zu stoppen, hat dies aber leider versäumt. Damit war der Beschluss auf politischer Ebene durch.

5. Der Kampf um den Danni und die Lebensweise der Aktivisten

Und solange wir Politiker:innen, auch Grüne Politiker:innen, in politischen Schlüsselpositionen haben, die tatenlos zusehen wie ein wichtiger Wald in ihrem eigenen Bundesland gefällt wird brauchen wir Umweltaktivist:innen wie man sie momentan im Danni sehen kann.

Am vergangenen Wochenende ist eine kleine Antifa Gruppe aus Paderborn im Danni gewesen und hat auch an dem dort wöchentlich stattfindenden Waldspaziergang teilgenommen. Dabei haben wir ein paar Aktivist:innen gesprochen und uns auch die Baumhäuser angesehen.

Es ist beeindruckend mit welchem Engagement der Wald verteidigt wird. Ein wichtiges Grundkonzept ist dabei der Antifaschismus. Symbole der antifaschistischen Werte befinden sich an jedem Baumhaus und diese werden dort gelebt. Alle Aktivist:innen und auch die gesamte Bevölkerung sind solidarisch miteinander. Es gibt unterschiedliche Camps in denen geschlafen wird und die auch jeden, der sich am Protest beteiligen möchte, aufnehmen.

Es gibt eine KÜFA (eine Küche für alle) die gemeinsam die Aktivist:innen versorgt. Gleichzeitig gibt es an jeden Tag eine Mahnwache an mehreren Orten. Unsre Gesellschaft sollte sich ein Beispiel an diesen Aktivisti nehmen. Alle gehen solidarisch miteinander um und alle helfen wo sie können ohne dafür bezahlt werden zu wollen oder etwas als Gegenleistung zu verlangen. Alle geben was sie können und alle kriegen was sie brauchen. Und wie der Hambi ja sehr anschaulich gezeigt hat, kann Aktivismus funktionieren. Der mit Staatsgeldern subventionierte multinationale Großkonzern RWE hat seine ekelhaften Pläne nicht umsetzten können, weil ein paar gut organisierte Aktivisti Widerstand geleistet haben. Und wenn das einmal klappt, dann kann es wieder funktionieren!

6. Größer Denken – Der Schutzraum Wald

Wir müssen den Danni verteidigen, denn wenn wir das hier schaffen, dann schaffen wir es vielleicht auch mit dem Plastik im Meer, dem ausgelaufenen Öl im Lebensraum vieler Tiere, den Atomkraftwerken dieser Welt, der Desertifikation Afrikas, dem Klimawandel und all den anderen ökologischen Krisenherden dieser Welt.

Aber wir müssen auch nicht so weit in die Welt hinaus blicken um Sachen zu finden an denen wir dringend arbeiten müssen. Wir brauchen hier eine schnelle Verkehrswende, und da ist der Bau einer Autobahn durch ein altes Waldgebiet genau das falsche Signal. Kostenloser Nah- und Fernverkehr für alle!

Das hat zum Beispiel in Luxemburg auch funktioniert, und hatte zur Folge, dass weniger Auto gefahren wird.

Ein reiches Land wie Deutschland könnte dies einfach umsetzten, nur leider ist der politische Wille nicht da, weil wir es uns ja nicht mit den Auto- und Ölkonzernen verscherzen möchten.

Aber solange diese Verkehrswende nicht von staatlicher Seite kommt, müssen wir sie selber umsetzten. Sorgen wir selber und aus eigener Kraft heraus für so viel Klimagerechtigkeit wie möglich.

Doch Klimapolitik hängt nicht nur mit Antikapitalismus zusammen, sondern auch mit Antifaschismus und Anti-Rassismus. Durch unsere Versäumnisse in Sachen Klimawandel kriegen gerade Länder im globalen Süden die Auswirkungen der Erderwärmung zu spüren. Es existieren neo-kolonialistisch agierende westliche Firmen, die dann in den ärmsten Ländern der Welt Dinge tun wie z.B. das Wasser zu privatisieren um sich dann an denen, die fast nichts mehr haben, zu bereichern.

Durch unser verschwenderisches Konsumverhalten leiden Menschen in ärmeren Ländern. Und in Deutschland existiert leider ein sehr nationalistisches Denkverhalten, nach dem Motto: „Solange es nicht hier passiert ist es nicht unser Problem“. Durch den Klimawandel werden viele Teile der Welt unbewohnbar werden und es wird neue Fluchtursachen geben. Erst sorgen westliche Firmen und Soldaten für Fluchtursachen und dann versuchen unsere Regierungen die Migration zu regulieren und schließen sogar ganze Grenzen. Migration ist Grundlage der menschlichen Entwicklung. Sie ist eigentlich das Normalste auf der Welt. Lasst die Leute da wohnen wo sie wohnen wollen. Die Situation wird sogar weiter verschärft, da flüchtende Menschen dort wo sie herkommen einfach nicht weiter leben können.

Globale Freizügigkeit muss ein Menschenrecht werden!
(Papers for all or no papers at all!)

Migration hängt leider mit Rassismus zusammen, da aus Rassismen heraus Migration reguliert wird. Und Klimapolitik hängt mit Migration zusammen, da der Klimawandel die nächste große Fluchtursache sein wird.

7. Appell an Alle !!!!

Der Kampf für den Danni ist ein antikapitalistischer Kampf.
Der Kampf für den Danni ist ein queerfeministischer Kampf.
Der Kampf für den Danni ist ein antirasisstischer Kampf.
Der Kampf für den Danni ist ein antifaschistischer Kampf.

Ich kann euch nur allen raten mal zum Danni zu fahren und euch selbst ein Bild zu machen. Bringt den Aktivist:innen die da bei Wind und Wetter ausharren irgendwas mit, die freuen sich. Und geht schnell, denn die Rodungen kommen durchaus gut voran. Bald wird es keinen Wald mehr geben, durch den ihr euren Waldspaziergang machen könnt, sondern eine unnötige Asphalt- und Beton-Struktur.

Deswegen fordern wir: Wald statt Asphalt!


Die Distel veröffentlichte kürzlich diese Pressemitteilung, auch bezüglich des Themas Danni.

Pressemitteilung „Was ist noch Grün an den Grünen?“Die Grünen regieren inzwischen in einigen Bundesländern in Koalition mit der CDU, etwa in Baden-Württemberg und Hessen. Spätestens seit dem letzten Parteitag der Grünen ist klar, dass sie nach Regierungsämtern streben.Ob mit CDU oder ohne, es wird sich kompromissbereit gegeben.In Hessen hat Bündnis 90/ Die Grünen im Koalitionsvertrag mit der CDU den Ausbau der A49-Autobahn festgeschrieben; dafür nehmen sie die Zerstörung von großen Teilen des Dannenröder Forstes in Kauf, der bis dato teilweise schon seit 250 Jahre besteht. Statt über alternative Verkehrskonzepte nachzudenken, etwa den Verkehr auf die Schiene zu verlagern, um Anwohner*innen der B3 zu entlasten und den Lieferverkehr zu optimieren, werden die Rodungen trotz der massiven Proteste weiter fortgesetzt. Das zerstört das Image der selbsternannten Klimapartei.
Trotz Gutachten des NABU und regionaler Stellen mit dem Hinweis, dass ein wichtiges Ökosystem zerstört und auch die Trinkwasserversorgung der gesamten Region gefährdet wird, ist es den hessischen Grünen wichtiger,dass ein globaler Süßwarenhersteller mit Standort in der Region, eine Autobahn bekommt, um seinen Profitweiter steigern zu können. Im Zweifel siegt also die Logik des Kapitals über jede Bemühung um Klimaschutz, was innersystematisch nicht verwundert. Dass eine Partei wie Bündnis 90/ Die Grünen diese Logik bedient, zeigt dass sie ihr Status-Ziel der „bürgerlichen Mitte“ erfolgreich erreicht hat.
Beeindruckend ist dabei, welche Mittel der politischen Durchsetzung die Grünen in Kauf nehmen, um den Ausbauder Autobahn durchzusetzen. So werden durch die Polizei Wasserwerfer bei Minusgraden gegen friedlich protestierende Aktivisti eingesetzt und zum Trotze jeglicher Warnungen von Aktivistis Sicherungsseile gekappt an denen Menschenleben hängen. Bisher sind mehrere Aktivisti und auch Pressevertreter*innen sind durch das rücksichtslose und teilweise gewaltvolle Verhalten von Polizist*innen schwer verletzt worden . In diesen Minuten werden die letzten Bäume und Baumhäuser verteidigt und es bricht uns das Herz zu sehen, wie Umweltschutz gerade in Zeiten der Klimakrise mit Füßen getreten wird. 
Auch in Paderborn wurde jetzt der Koalitionsvertrag zwischen der CDU und den Grünen beschlossen und wir sind gespannt, welche Kompromisse dies für den Klimakampf in Paderborn bedeutet. So hoffen wir, dass die regionalen Akteur*innen konsequent für mehr Klimagerechtigkeit einstehen .Wir geben den Kampf um den Danni und eine gerechte und nachhaltige Klimapolitik nicht auf.Wir fordern weiterhin; Wald statt Asphalt!