Rechte Strukturen in Paderborn und Umgebung

Vorab:

In den letzten Jahren hat sich in Paderborn viel getan, was rechte (d.h. in diesem Zusammenhang völkische, nationalistische, rassistische, antisemitische, islamfeindliche oder faschistische) Strukturen betrifft.

Nachdem es vor einiger Zeit so aussah, als würde sich die Lage bessern, haben die Geschehnisse der letzten Monate das genaue Gegenteil bewiesen.

Nachdem das rechte Netzwerk „Westfalen Nord“ zumindest im Internet nicht mehr aktiv war, ging auch die Internetseite des „Nationalen Widerstands Paderborn“ (früher Salzkotten) bald offline. Auch von der „Formation W“, die u.a. auch an Neonazi- Aufmärschen wie am 1. Mai in Dortmund teilnahm und mit Plakaten mit der Aufschrift „Deutsche Frau, halte dein Blut rein!“ ihre Meinung zum Besten gab, hört man seit einigen Monaten nichts mehr.

Doch dass die bloße Abnahme der Internetpräsenz entsprechender Gruppen nichts heißt, stellte sich leider auch heraus.

Seit 2013 fanden mehrere Übergriffe auf den Paderborner Infoladen statt, bei dem u.a. Scheiben zu Bruch gingen und Besucher des Infoladens mit „Sieg Heil“-Rufen „begrüßt“ und tätlich angegriffen wurden.

Und mittlerweile hat sich in Sachen Internetpräsenz auch wieder einiges getan: Seit Ende Oktober 2013 gibt es die „Identitäre Bewegung Hermannsland“, die mittlerweile mit anderen Ortgruppen zur „Identitären Bewegung Nordrhein Westfalen“ zusammengeführt wurde, ein Ableger der seit 2012 bestehenden „Identitären Bewegung Deutschland“.

 

Identitäre Bewegung

Die „Identitäre Bewegung“ versucht sich nach außen als nicht rechts (-radikal) zu geben, sondern eher als Interessenbewahrer der heimischen Kultur und Identität. Schaut man sich jedoch nur die Facebook-Profile der – meist recht jungen – Menschen an, die sich auf entsprechender Seite tummeln, kommt einem schnell der Gedanke, dass diese – recht harmlos erscheinende Präsenz – nur dazu dient, mehr Menschen auf ihre Seite zu ziehen und sich im Grunde eine rechtsradikale Gesinnung hinter dieser Gruppe findet. In die Medien geriet die Gruppe in den letzten Wochen mit ihren „Trümmeraktionen“.

 

 

Domstädter

Zuletzt bleiben die „Paderborner Domstädter“; vielen eher bekannt als rechte Hooligans, bzw. Fans des Paderborner SC. Abgesehen davon, dass es in den letzten Jahren zwei Nazi-Outings gab, in denen auch beide Male Kontakte zu den Domstädtern erwähnt wurden, sind einige der Domstädter in anderen rechtsradikalen Gruppierungen aktiv. Vor allem fallen sie durch eindeutige Graffitis, in denen sowohl rechtsradikale, als auch gewaltverherrlichende Symbolik stecken auf. Auch sind die Hooligans, auch unter dem Namen „Ackerjungs“ bekannt, („Ackerjungs“; Begriff aus den „Inneren Reihen“ der Hools; steht für Teilnahme an „Ackermatches“) sehr gewaltbereit. Nicht selten fallen sie durch Gewaltdelikte an anders denkenden Menschen oder gegnerischen Fans auf. Auch Sachbeschädigungen gibt es häufig, bei denen es dem Anschein nach egal ist ob Menschen verletzt werden könnten oder nicht. Zu dem nimmt die Präsenz der rechtsradikalen Hooligans in der Paderborner Innenstadt immer mehr zu. So haben sie 2013 und 2014 erfolglos versucht, die „No Love For Haters“- Demonstration gegen Paderborner Nazistrukturen zu stören.

Es sind also mehrere nationalistische Gruppen und Einrichtungen in Paderborn bekannt, deren Spanne durch „Web-Präsenz bis Hooligans“ schwer zu erfassen ist. Trotz des gemeinsamen Nenners von Nationalismus und Rassismus gibt es verschiedene Positionen und Selbstdarstellungen; zum Beispiel wird teilweise versucht, dem Vorwurf von Rassismus und insbesondere Antisemitismus zuvorzukommen. Dass es seit Jahrzehnten eine – wenn auch schleichend – wachsende Zustimmung zu deren Ansichten gibt und die Anzahl der Gruppen, wie auch ihrer Mitglieder, allmählich wächst, deutet auf den Erfolg dieser Strategie hin. Es ist auch kaum auszuschließen, dass es noch den Autor*innen dieses Textes unbekannte oder unerkannte Gruppen gibt. Und schließlich sind noch die weithin bekannten Versuche von rechtsradikalen Einzelpersonen zu nennen, sich in Subkulturen zu integrieren, um dort ihre Weltanschauung zu verbreiten.

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