Demo in Höxter & Extremismusdebatte


„Nazistrukturen angreifen – Kapitalismus abschaffen!“
(Transpi: Antifaschistische Initiative Höxter)
Wir haben uns am Protest gegen den Besuch von Beatrix von Storch in Höxter beteiligt. ✊

Im Nachzug der Demonstration gegen den Auftritt von Beatrix von Storch in Höxter möchten wir die Gelegenheit nutzen, ein paar Missverständnisse aufzuklären.

In der Zeitung stand die Aussage der Grüne Jugend im Kreis Höxter: „dass man mit der »Antifa« Paderborn gesprochen und darauf hingewiesen habe, dass man nur friedliche Demonstranten bei dem Protestzug dulden werde. Man habe bisher keine Hinweise, dass Extreme in Höxter anreisen wollten, so die Jungpolitikerin.“*

Zur Klarstellung: Das Paderborner Bündnis gegen Rechts, in dem auch wir Mitglied sind, unterstützte auf Anfrage die Demonstration in Höxter. So kam es auch zu informellen Gesprächen zwischen Mitgliedern unserer Gruppe und Mitgliedern der GJ Höxter. Absprachen in der Form, wie es die GJ gegenüber dem Westfalenblatt dargestellt hat, gab es nicht.
Tatsächlich wurde die Grüne Jugend von Einzelpersonen darauf hingewiesen, dass wir als Antifa Gruppe während der Demonstration am Mittag keine gewalttätigen Absichten hegten. Wozu auch? Die Demonstration verfügte über einen symbolischen Charakter, da Beatrix von Storch erst einige Stunden später im Rathaus auftrat. Bei einer solchen Veramstaltung geht es darum, ein Zeichen zu setzen und nicht, die Stadt zu verwüsten.

Vermutlich wurde da einfach unglücklich kommuniziert, jedoch wollen wir uns von Statements dieser Art und Vorurteilen gegenüber Linksradikalen deutlich abgrenzen.
Auch ist uns wichtig zu betonen, dass es verschiedene legitime Formen von Protest und Aktivismus gibt, die immer abhängig von der Situation sind, in der man sich befindet. Es ist ein Unterschied, ob es darum geht, einen Naziaufmarsch zu blockieren, einen Parteitag zu verhindern, zu stören oder einen Streik zu organisieren usw.. Klar ist aber, dass Widerstand gegen faschistische Strukturen notwendig ist und dass dieser Widerstand verschiedene Formen haben muss, um Erfolgreich zu sein.

Auch ähnliche Aussagen der GJ Höxter, die alle auf der Extremismustheorie aufbauen und linke bis linksradikale denunzieren sollten, möchten wir so nicht stehen lassen.
Uns ist bekannt, dass die Organisator*innen der GJ unter großem Druck der Öffentlichkeit standen, finden es aber nicht die richtige Lösung, im Sinne der Konservativen Mehrheitsgesellschaft nach rechts sowie nach links auszuteilen.

Von einer Jugendorganisation, die sich selbst als „Teil der jungen Generation , die sich für eine gerechte Gesellschaft einsetzt, […] und die keine Lust auf althergebrachte Denkmuster und festgefahrene Strukturen hat“* beschreibt, erwarten wir mehr, als linken, antifaschistischen Protest immer wieder als extrem und gewaltbereit darzustellen.
Wer die Extremismustheorie verteidigt, der spielt am Ende nur konservativen und autoritären Kräften in die Hände und verbaut sich die Chance auf einen konsequenten politischen Aktivismus. Wer diese Theorie vertritt, muss von einer gesellschaftlichen korrekten Mitte ausgehen, die von zwei oder mehreren „Extremen“ bedroht wird. Rechtsradikalismus wird verharmlost, da es als ein Randphänomen dargestellt wird.
Doch was ist dann mit Alltagsrassismus, Antisemitismus, Sexismus und Homophobie? Ganz sicher kein Außenseiter*innenproblem.
Wer die Gesellschaft als Ganzes zum Besseren verändern will, der muss die Verhaltensmuster enttarnen und ändern, die zum Bestehen der aktuellen Misstände beitragen. Und die ziehen sich durch alle gesellschaftlichen Schichten, politischen Lager und Gruppen.
Wir fordern die GJ Höxter auf, „Extremismus“ nicht als Kampfbegriff zu nutzen, um andere politische Kräfte willkürlich anzugreifen und schlecht zu machen. Ein solidarischer Umgang wäre gewesen, sich gemeinsam stark gegen Faschismus zu machen, statt sich im Vorfeld gegenseitig zu beschuldigen, um das eigene Image zu retten.

Auch schließen wir uns dem Aufruf der Antifaschistischen Initiative Höxter an, statt auf Eigenlob ausgerichtete Straßenfeste zu feiern auf einen (laut-)starken Gegenprotest zu setzen.
Es gibt nämlich viele Gründe, dagegen zu sein und es hilft nicht, faschistische Inhalte & Parteien zu ignorieren. Wir sind dafür, diese Inhalte zu problematisieren, um sich dagegen auszusprechen. Natürlich ist es notwenig, linke Gegenentwürfe zur Gesellschaft zu präsentieren, doch wer Gegenprotest als Werbeaktion verkauft, tut sich selbst keinen Gefallen.

Zitat:
https://www.westfalen-blatt.de/…/3713362-Protestzug-Kundgeb…
https://gruene-jugend.de/category/wir/

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